Der Stoff, aus dem die Träume sind.

Welches Spielzeug aus welchem Material ist für welches Kind am besten geeignet. Diese Fragen sind besonders für die ersten Lebensjahre von Bedeutung, in denen Kinder alles in den Mund nehmen. Nicht jedes Spielzeug ist allerdings auch zum Lutschen und Nagen geeignet. Jedes Material verfügt über besondere Eigenschaften. Grundsätzlich gilt, dass Spielzeug immer aus dem Material hergestellt sein muss, das sich am besten für den Spielzweck eignet.

Materialkunde

Holz

Holz ist ein lebendiges, warmes Naturmaterial mit angenehmen Oberflächeneigenschaften. Holzspielzeug spricht alle Sinne an, weshalb es als Basis-Spielzeug für Kinder in den ersten beiden Lebensjahren gelten kann. Da Holz ein natürlicher Werkstoff ist, spielen bei der Beurteilung von Spielzeug Bindemittel und Zusatzstoffe wie Holzschutzmittel, Kleber und Farben eine wichtige Rolle.

Holz

Die Verarbeitung ist entscheidend

In Deutschland wird kein Holz bei der Spielzeugproduktion verarbeitet, das Holzschutzmittel aufweist. Unbehandeltes Holz bietet intensivere Sinneserfahrungen als lackiertes, gewachstes, geöltes oder mit Kunststoff beschichtetes Holzspielzeug, wird aber schneller fleckig. Der Schmutz setzt sich leichter in den Poren fest. Eine Gefahr geht davon nicht aus, da Holz mikrobiologisch besser ist als etwa Kunststoff. Unbehandeltes, schmutziges Holzspielzeug ist eher ein ästhetisches Problem. Wichtig bei Holzspielzeug ist die Verarbeitung. Weist das Produkt scharfe Ecken und Kanten auf, an denen sich ein Kind verletzen könnte? Stammt es aus nachhaltiger Forstwirtschaft (FSC oder PEFC) und welche Lacke (wasserlöslich, lösemittelfreie) wurden verwendet?


Kunststoff

Für die Spielzeugherstellung werden sehr unterschiedliche Kunststoffe verwendet. Polyethylen und Polypropylen kommen bei einfachem Spielzeug zum Einsatz, etwa Spielzeug für den Sandkasten; ABS ist erste Wahl für Konstruktionsspielzeug. Alle Kunststoffe weisen unterschiedliche Eigenschaften auf, weshalb ihnen sogenannte Additive hinzugefügt werden, um sie für den Spielzweck überhaupt tauglich zu machen. Unter Additive fallen zum Beispiel Weichmacher. Gefährliche Weichmacher sind nach der EU-Chemikalienverordnung REACH verboten, die Hersteller oder Importeure zur Ermittlung der gefährlichen Eigenschaften

Kunststoff

von Stoffen verpflichtet. Aber auch Stabilisatoren (Verbesserung der mechanischen Eigenschaften), Konservierungsstoffe (z. B. bei Fingermalfarben) und Flammhemmer zählen zu den Zusatzstoffen. In der Regel stellen alle Kunststoffe und Additive keine gesundheitsbedenklichen Gefahren dar. Etwaige chemische Mängel lassen sich allerdings nicht erkennen, produktionsbedingte hingegen schon (scharfe Grate, die beim Spritzen entstehen). Immer wieder kommt es allerdings vor, dass Spielzeug buchstäblich „zum Himmel stinkt“. In diesem Fall sollte das Spielzeug reklamiert oder ausreichend im Freien ausgelüftet werden.


Farben & Lacke

Spielzeugfarben sollen lichtecht, robust und langlebig sein, aber in der Regel auch die Struktur des Materials belassen. Prinzipiell ist Farbe bei Holzspielzeug nicht nötig. Farben haben aber eine stimulierende Wirkung auf die Sinne von Kindern. Farbe fördert zudem die Kreativität. Kindgerechte Farbgestaltung sollte darauf achten, dass der Charakter des Holzes erhalten und für das Kind greifbar bleibt. Farben haben allerdings auch eine große gesundheitliche Bedeutung für kleine Kinder mit ihrem Hang, alles in den Mund zu nehmen.

Farben und Lacke

Auf Qualität achten

Qualitätsanbieter von Holzspielzeug verwenden seit Jahren deshalb ungiftige Wasserlacke. Sollte sich bei einem mit Wasserlack behandelten Holzspielzeug die Farbe durch intensiven Gebrauch lösen, besteht kein Grund zur Sorge. Die Speichel- und Schweißechtheit, die der Gesetzgeber verlangt, ist auch hier gegeben. Sie besagt, dass Farben bestimmte Grenzwerte von Schadstoffen nicht überschreiten dürfen und nicht, dass die Farbe für die Ewigkeit gemacht sein muss.


Textilien

Textilien gewannen in den letzten beiden Jahrzehnten einen immer größeren Stellenwert, nicht nur bei Faschings- und Halloween-Kostümen. Vor allem bei Kleinkindspielzeug kombinieren Hersteller gerne Holz mit Stoffen, um die haptischen und spielerischen Möglichkeiten zu erweitern. Dabei kommen neben Naturfasern auch Mischgewebe zum Einsatz. Das stellt besondere Anforderungen an die Entflammbarkeit. Sie wird von der EN 71 Teil 2 geregelt. Eine wichtige Orientierungshilfe für Babyprodukte und Bekleidung ist inzwischen das Label „Textiles Vertrauen - Schadstoffgeprüft nach Oeko-Tex®-Standard 100“,

Textilien

das für „humanökologisch unbedenkliche Textilprodukte“ vergeben wird. Zunehmend gewinnt aber auch der „Global Organic Textile Standard (GOTS)“ für Naturtextilien an Bedeutung. Daneben gibt es auch noch das Label Naturtextil BEST, das derzeit den höchsten Standard an textile Ökologie darstellt. Beide Standards gleichen sich in weiten Teilen. Die Naturfasern müssen zu 100 % aus kontrolliert biologischem Anbau stammen, der Anbau, die Verarbeitung sowie den Transport und die Lagerung werden genau vorgeschrieben. Betriebe, die eine Zertifizierung anstreben, müssen zugleich Sozialstandards einhalten. Der Unterschied zwischen beiden Labeln ist, dass bei GOTS-Textilien noch bis zu 10% synthetische Fasern oder Viskose sowie mehr Farben verwendet werden dürfen. In allen Fällen sollte die Waschanleitung, die die EU-Sicherheitsnorm verlangt und jedem waschbaren Spielzeug beilegen muss, beachtet werden.


Metall

Metall-, vor allem nostalgische Blechspielzeuge, sind heute fast nur noch Nischenprodukte für Liebhaber, auch wenn einige Hersteller nach wie vor Metallbaukästen (Eitech) oder nostalgisches Blechspielzeug (Schuco) produzieren. Eine nennenswerte Bedeutung besitzt der Werkstoff Metall nur noch für Sammler von Modellautos aus Zinkdruckguss, sogenannte Diecast- oder Zamac-Modelle. Dabei handelt es sich um eine Legierung aus etwa 99 % Zink und 1 % Aluminium. Berühmt geworden sind diese Metallmodelle unter den Markennamen Matchbox und Wiking. In der klassischen Spielzeugproduktion findet man Diecast allerdings kaum noch,

Metall

von wenigen Ausnahmen abgesehen (z. B. Siku Spielmodelle). Generell gilt für alle Metallwerkstoffe, dass von ihnen kaum Risiken ausgehen. Bei Kinderfahrzeugen wie Gokarts, Scootern, Inlinern oder Lauflernräder kommt lediglich Stahl noch in nennenswertem Umfang zum Einsatz. Für die Lackierung gelten dieselben Anforderungen wie für Holzspielzeug. Beim Kauf von Kinderfahrzeugen ist deshalb vor allem auf die Qualität von besonders strapazierten Komponenten wie Kugellagern und Bremsen zu achten. Sicherheit geht vor Preis!